Grundsätzliches zur Sony-DSLR:
Sony hat den Kamerahersteller Minolta übernommen und brachte mit der Alpha 100 die erste eigene Digi-Spiegelreflex auf den Markt. Kenner von Minolta finden bei der Alpha 100 viele Details, die an früher erinnern: Einerseits das Gehäuse (ähnlich dem der Konica Minolta Dynax 5D), das quasi nur umbeschriftet wurde. Das gilt auch für den Großteil der Objektive, etwa für die Kit-Linse. Das 18-70 3.5-5.6 DT macht zwar haptisch keinen besonders seriösen Eindruck, liefert jedoch gute Bilder. Auch der Sägezahn-Sound beim Scharfstellen ist wenig berauschend, die Ergebnisse passen jedoch. Allerdings darf man sich hier – wie auch bei den Objektiven der Mitbewerber – keine sensationellen Ergebnisse erwarten, Bildstabilisator hin oder her. Und hier fällt auch schon das erste Marketingproblem von Sony auf: Die Alpha 100 ist eigentlich eine ausgezeichnete Kamera, die aber in Kombination mit dem Plastikgehäuse und dem relativ schwachen Kit-Objektiv quasi von Haus aus Trümpfe verspielt. Wer mit der Alpha 100 wirklich gute Ergebnisse erzielen will, muss zum Zeiss-Objektiv 16-80mm 3.5-4.5 greifen. Dieses ist jedoch vergleichsweise teuer (rund 650 Euro) und wird wohl für den Großteil der Alpha-User eher nicht ins Budget passen. Denn diese Zielgruppe bezahlt nicht mehr für ein Objektiv als für den Body selbst! Somit wird klar, dass Sony mit der Kamera ein Marketing-Problem hat, das erst mit dem (halb-)professionelleren Nachfolger behoben werden kann: Denn erst wenn ambitionierte Fotografen sich für die Marke entscheiden, kann Sony den Minolta-Standard wieder beleben. Dafür wäre es aber sicherlich nötig, die relativ teuren Objektive preislich unter der Konkurrenz von Canon oder Nikon zu platzieren.
Die Sony Alpha 100 in der Praxis:
In der Praxis zeigt sich, dass die Alpha 100 eine grundsolide Kamera ist, die auch mit dem Ofenrohr 70-300 (ebenfalls ein alter Bekannter aus dem Minolta-Stall) tolle Bilder liefert. Gerade bei längeren Brennweiten und wenn man um einige Stufen abblendent, bekommt man dank des Bildstabilisators gute Ergebnisse. Wirklich spannend wird jedoch (ähnlich wie bei der Pentax K10D) das Thema "Wackeldackel" in Kombination mit einem sehr lichtstarken Objektiv. Etwa mit einer Brennweite 50 1.4 (von Sony oder Sigma um gut 300 Euro) kann man etwa in Kirchen interessante Bilder schießen.
Im Lauf unseres umfangreichen Tests musste sich die Sony Alpha praktisch in jeder Situation mit einer Kamera der Konkurrenz messen und überzeugte hier in den meisten Punkten. Allerdings erlebten wir öfter mitleidige Blicke von Kollegen aus dem Profilager, die erst verschwanden, wenn wir eine weitere Kamera von Canon oder Nikon zückten.
Negativ fällt neben dem bereits erwähnten Gehäuse à la "Plastikbomber" auch das sehr laute Klicken beim Auslösen auf. Hier gibt es rein soundtechnisch gesehen bessere Geräuschkulissen, etwa bei den Semi-Profi-Modellen von Canon oder Nikon. Hier ist auch die Pentax K10D (wohl der direkteste Konkurrenz) der Alpha 100) uninteressant, denn diese liefert ein merkwürdiges Quietschen ab, das nicht zum ansonsten so hochwertigen Image des Herstellers passt.
Fazit: Sony verkauft die Alpha unter ihrem Wert!
Alles in allem fiel uns auf, dass Sony grundsätzlich mit der Alpha 100 eine solide Digi-Spiegelreflex auf den Markt gebracht hat. Viele gute Ideen wurden mehr oder weniger direkt von Minolta übernommen. Wenig überrascht hat uns auch bei diesem Modell das Sony-typische Bildrauschen, das wir schon bei etlichen anderen Kameras dieses Herstellers bemerkt haben. Da die Sony-Chips aber auch bei anderen Marken im Einsatz sind, scheint es hier wohl ein Problem bei der internen Bearbeitung der Daten geben. Und tatsächlich: Wer in RAW aufnimmt und dann am PC in JPEG konvertiert, erhält deutlich bessere Ergebnisse. Allerdings stellt sich die Frage, ob Otto-Normal-Kamerabesitzer dies tatsächlich macht. Für Menschen mit etwas Zeit ist es auf jeden Fall kein Problem, das Rauschen per PC zu entfernen – entsprechende Tools gibt es sogar kostenlos im Netz. Allerdings stellt sich hier die Frage, warum Sony es nicht ähnlich wie Canon macht, wo die Bilder direkt aus der Kamera einfach vom ersten Moment an direkt herzeigbar sind und auch hohe ISO-Werte selbst bei den Einsteiger-Kameras wie der EOS 400D tadellose Ergebnisse bringen. (Test: Markus Waibel, 2007)
Vor- und Nachteile Sony Alpha 100:
Vorteile:
+ gute Bildqualität
+ Bildstabilisator als sinnvolle On-Board-Lösung
+ Benutzung alter (gebrauchter) Minolta-Linsen
+ günstiger Kit-Preis
+ großer Sucher
+ lange Akkulaufzeit
Nachteile:
- Imageproblem der Marke Sony
- standardmäßig hohes Bildrauschen
- wenig hochwertiges Kameragehäuse
- vergleichsweise geringes Objektivangebot
- (Professionelle) Objektive relativ teuer
- zu lautes Auslösegeräusch
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